Historie

Ringreiten ist eine Tradition, die an mittelalterliche Ritterspiele erinnert. Und tatsächlich waren diese Turniere im Mittelalter gleichsam als Vorprogramm weit verbreitet: Es war üblich, am ersten Tag der offiziellen Ritterturniere als Auftakt Kampfspiele für die älteren Knappen abzuhalten. Diese übten sich unter den Augen ihrer Herren und Herrinnen im Ringstechen. Diese Ringstecher, die im übrigen heute noch bei einigen Vereinen auf dem schleswig-holsteinischen Festland gebräuchlich sind, sind handliche Eisengestelle mit einer Länge von 10 bis 15 Zentimetern. Mit diesen Ringstechern ritten die Knappen damals auf bewegliche Querlatten zu, an denen eine Ringhalterung befestigt war.

Die Tradition des Ringreitens reicht jedoch noch weiter zurück: Schon im 14. Jahrhundert erhielten Pferdeknechte mancherorts pro Jahr einen freien Tag und ein Pferd von ihren Herrschaften zur Verfügung gestellt, damit sie sich am Ringreiten beteiligen konnten.

Überliefert sind Berichte von einer adeligen Hochzeit, die am 24. November 1591 auf der Grazer Burg in Österreich abgehalten wurde. Teil der Feierlichkeiten war auch ein Ringreiten. 18 Teilnehmer in phantasievollen Gewändern beteiligten sich daran. Doch wohl nicht allen war das Reiterglück dabei hold, wie folgender Spottvers verriet:

"Ein Ritter rent mit allem Fleiß,

er het gern erlanget den Preiß.

Aber das wancklmütig Glück,

das trib an ihm da seine Tück.

Er rent und traff gar kainen Ritt."

Während das Ringreiten heute vorwiegend im norddeutschen Raum und im südlichen Dänemark verbreitet ist, gilt das alljährliche Turnier im holländischen Middelburg als eines der schönsten und ältesten: Seit 1767 pflegt man dort dieses Brauchtum, wobei neben dem Ringreiten auch ein besonderer Wettbewerb in traditionellen Trachten ausgetragen wird: Der Mann lenkt eine Einspänner-Kutsche, die Frau versucht mit der Lanze den Ring zu stechen. Die zumeist antiken, mit Blumengebinden aufwändig geschmückten Kutschen stellen dabei einen besonders reizvollen Anblick dar.